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Dieter Ruloff (Hrsg.)
Globalisierung - eine Standortbestimmung
Sachgebiet: Politik, Politikwissenschaften
Umfang: 177 Seiten / brosch.
Preis: Fr. 32.60 / € 20.90 (D)
ISBN-Nr.: 978-3-7253-0606-0
Erschienen: November 1998 Reihe: Sozialwissenschaftliche Studien des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung • Band 27
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Siehe auch:
» Preis der Freiheit – Grenzen der Sicherheit, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0740-1 » Moral und Moralismus in Wirtschaft und Politik, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0720-3 » Religion und Politik, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0700-5 » Den Staat neu definieren, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0676-3 » Technologie und Gesellschaft an der Jahrtausendwende, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0629-9 » Brennpunkt Ostasien, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0579-7 » Wandel der Weltgesellschaft, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0547-6 » Die Erblast der Sowjetunion, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0528-5 » Europäische Antagonismen, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0490-5 » Föderalismus - Mittel der Konfliktbewältigung, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0473-8 » Umweltzerstörung und Ressourcenverschwendung, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0441-7 » Das Flüchtlingsproblem - Eine Zeitbombe?, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0396-0 » Glasnost und Perestroika - Der Sozialismus im Wandel, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0376-2 » Europäische Herausforderung - The European Challenge, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0348-9 » Neuer Realismus in den Nord-Süd-Beziehungen?, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0324-3 » Ideen unserer Zeit, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0301-4 » Das Dreieck Europa – Amerika – Asien, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0272-7 » Ost-West-Beziehungen: Analysen und Perspektiven, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0247-5 » Wege aus der Weltwirtschaftskrise, ISBN-Nr.: 978-3-7253-0222-2
Zum Buch:
Globalisierung meint die schrumpfende Bedeutung von Grenzen und Distanzen für internationale Beziehungen, vor allem internationale Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen, aber nicht nur diese. Die Sache an sich wird kaum mehr bestritten. Auf dem Weltbörsenplatz geht die Sonne nicht unter. Technische Innovationen im Bereich der Kommunikation und des Transportwesens erlauben den rasch expandierenden, multinationalen Konzernen, deren 200 grösste fast 30% des Weltsozialprodukts erzeugen, ihre Aktivitäten über weite Distanzen hinweg schnell und problemlos zu koordinieren und gestatten ihnen damit die Einrichtung wirklich weltumfassender Produktions und Absatzmärkte. Von der Globalisierung betroffen sind indessen nicht nur die sog. Davos culture people (Huntington), also eine polyglotte und kosmopolitische Führungsschicht in weltweit tätigen Firmen. Als Konsumenten, mit CNN, Internet, günstigen Fernreisen und immer besserer und dennoch billigerer Unterhaltungselektronik, haben breite Kreise Zugang zu den Segnungen der Globalisierung erhalten, um nur einige Beispiele zu nennen.
Dieselben breiten Kreise bekommen als Arbeitnehmer mit internationalem Konkurrenzdruck und massenhafter Abwanderung von Arbeitsplätzen ins Ausland aber auch die Herausforderungen der Globalisierung zu spüren. Trotz allem ist ein Abkoppeln vom dynamischen Weltmarkt inzwischen für kaum eine Regierung eine realistische Option, wären doch die mittel- und langfristigen Wohlstandsverluste einer Isolation inakzeptabel. Zu bremsen ist der globale Markt nicht. Der Geist ist aus der Flasche, mehr noch: Die Globalisierung setzt gewaltige Kräfte frei, deren Nutzung jedoch weise geschehen muss, damit sie Wohlstand und Frieden und nicht Armut und Zerstörung hervorrufen.
Dasy Buch enthält die Vorträge des Instituts für Auslandforschung im Rahmen seines Zyklus' zur Globalisierung vom Wintersemester 1997/98. In einer Anspielung auf Marshall McLuhans damaligem Diktum vom Global village zeichnet Dieter Chenaux-Repond, Botschafter der Schweiz in Deutschland, die Welt als zunehmend «unheimliches Dorf», in dem die Geborgenheit verschwinde, die Nationalstaaten auch dem Arbeitnehmer bieten, mit sozialen Netzen und Regulierungen aller Art. Kann dem noch Einhalt geboten werden? Kann man einer Generation von Managern, die «das Geld dort holen, wo es zu finden ist», noch mit Appellen an das patriotische Gewissen kommen? Tatsache ist wohl, dass zumindest die Welt der OECD-Staaten längst globales Dorf geworden ist; sie hat sich vor allem modernisiert. Dass dies nun aber nicht zu ähnlichen Resultaten überall führen muss, zeigt der Soziologe Shmuel Noah Eisenstadt von der Hebrew University mit einem Blick auf Ostasien. Asien ist modern, aber anders. Im Grunde, so Eisenstadt, müssen wir uns nicht auf eine Moderne, sondern viele davon einrichten. Modernisierung heisst nicht Europäisierung. Ein eher positives Bild der Globalisierung zeichnet Gerhard Fels, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln. In den OECD-Ländern seien nicht zuletzt dank Globalisierung seit 1970 bis zu 100 Mio. zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Wenn nun zunehmend industrielle Bereich in die vormaligen Entwicklungsländern abwanderten, vor allem nach Asien, so müsse das nicht einen Wohlstandsverlust der alten Industriestaaten bedeuten, weil der «Kuchen» insgesamt wachse und die Märkte grösser würden. Der Medienexperte und Gründungsrektor der Universität Erfurt, Peter Glotz, rückte in seinem Beitrag die allzu phantastischen Globalisierungsvisionen der «Netz-Enthusiasten» zurecht. Das virtuelle Dorf des Internet sei die eine Welt; die andere, reale Welt sei aber immer noch die wichtigere. Wer wolle schon «nur virtuell» wohnen oder ernährt werden? Die Perspektiv des Praktikers der Globalisierung bringt Helmut O. Maucher, Präsident von Nestlé, in die Debatte ein. Es gelte, mutig die Chancen der Globalisierung zu nutzen. Europa habe, wenn es nur seine «Hausaufgaben» erledige, im internationalen Standortwettbewerb nichts zu befürchten. «Wer nichts riskiert, riskiert am meisten», so Maucher.
Verschiedene andere, wichtige Aspekte der Globalisierung wurden im Rahmen eines Podiumsgesprächs mit Thomas Bernauer, Volker Bornschier, Jürg M. Gabriel und Kurt R. Spillmann vom neu geschaffenen Center for Internationael Studies (CIS) von ETH und Universität Zürich sowie von Fritz Fahrni (Sulzer) in die Diskussion eingebracht: Bernauer zeigt, dass die Vorstellung, der Staat sei im Zeitalter globaler Grenzüberwindung mehr und mehr an den Rand des Geschehens geraten, den Tatsachen nicht entspricht. Weltweit nimmt die Staatsquote gerade wegen der Globalisierung eher zu. Bornschier weist darauf hin, dass der globale Markt und seine Segnungen für die meisten Menschen dieser Welt erst ein Versprechen ist, dessen Einlösung noch ausstehe; zu lange dürfe man die Menschen nicht warten lassen, sonst seien schlimme Konsequenzen zu erwarten. Gabriel zeigt mit einem Blick auf Westafrika, was dies konkret bedeutet: Tatsächlich ist die Globalisierung weltumspannend, aber nicht flächendeckend. Die Mehrheit der Menschheit bleibt gegenwärtig noch vor der Tür, hat keinen Zugang zum globalen Markt. Spillmann schliesslich nennt eine weitere Kehrseite der Globalisierung, die nicht nur Segnungen, sondern auch die Gefahren der Welt den Menschen vor die eigene Haustüre bringe. Dem könne nur vereint mit anderen Staaten, nicht im Alleingang begegnet werden. Fritz Fahrni schliesslich führte vor, was Globalisierung für ein Unternehmen ganz konkret bedeutet: Umbau der Strukturen und komplette Neuorientierung, auch Fokussierung auf jene Bereich, in denen man wirklich global an der Spitze liege.
Inhaltsverzeichnis:
• Prof. Dr. Dieter Ruloff
(Universität Zürich und Delegierter des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung)
Einleitung: Der Geist ist aus der Flasche
• Dr. Dieter Chenaux-Repond
(Schweizer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland)
Die Welt als unheimliches Dorf – Chancen und Grenzen der Globalisierung
• Prof. Dr. Shmuel Noah Eisenstadt
(Hebrew University, Jerusalem)
Multiple Modernity in the Age of Globalization - the Case of Japan
• Prof. Dr. Gerhard Fels
(Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln, und Universität Köln)
Globaler Markt – lokale Herausforderungen
• Prof. Dr. Peter Glotz
(Rektor der Universität Erfurt)
Medien, Gott und die Welt: Globale Mediengesellschaft und die neue Attraktiviät der Absonderung
• Dr. Helmut O. Maucher
(Präsident des Verwaltungsrates der Nestlé AG, Vevey)
Die Globalisierung aus der Perspektive des Unternehmers
• Prof. Dr. Thomas Bernauer
(Forschungsstelle für Internationale Beziehungen an der ETH Zürich)
Globalisierung und staatliche Handlungsspielräume
• Prof. Dr. Volker Bornschier
(Soziologisches Institut an der Universität Zürich)
Auf dem Wege zu einer Globalgesellschaft?
• Prof. Dr. Jürg M. Gabriel
(Forschungsstelle für Internationale Beziehungen an der ETH Zürich)
«Uneven Globalization» und der Wettbewerb der politischen Systeme
• Prof. Dr. Kurt R. Spillmann
(Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse an der ETH Zürich, Delegierter des Center for International Studies (CIS) von ETH und Universität Zürich)
Globalisierung der Sicherheitsproblematik
• Dr. Fritz Fahrni
(President und CEO der Sulzer AG, Winterthur)
Der Industriestandort Schweiz in der Globalisierung
Weiterführende Links und Downloads:
» Schweizerisches Institut für Auslandforschung
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