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Karl Lüönd

Die Macht und die Ehrlichkeit
Kolumnen aus dem Medienzirkus
mit Zeichnungen von Nico und einem Porträt des Autors von Constantin Seibt

Sachgebiet: Kultur / Medien, Medienpolitik / Politische Institutionen, Föderalismus, Demokratie
Umfang: 232 Seiten, broschiert
Preis: Fr. 28.00 / € 17.90 (D)
ISBN-Nr.: 978-3-7253-0947-4
Erschienen: Mai 2010

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Siehe auch:
» Buchbesprechung


Zum Buch:

«Scharfsinnige Analysen zur Entwicklung der Medien und des Journalismus in den letzten Jahren. Lüönd weiss, wovon er schreibt. Und er sagt, was er weiss, in einer Art, dass es alle verstehen.» Neue Zürcher Zeitung

«In den Zürcher Redaktionen war Karl Lüönd lange so salonfähig wie ein Wildschwein. Heute gilt er als grosser alter Mann des Journalismus. Nun erscheint sein Buch über die eigene Branche.» Tages-Anzeiger

«Er ist im Medienzirkus der anerkannte Leitelefant, früher gewaltig trompetend, jetzt zumeist sensibel sinnierend, immer aber das Gedächtnis des Schweizer Journalismus. (...) Man liest 'Kari' immer gerne - als Leitelefant eben, von dem alle lernen können.» SonntagsZeitung

«Komprimierter kann man sich kaum einen Überblick über Entwicklungen in der Schweizer Medienszene verschaffen.» Neue Luzerner Zeitung

«Pflichtlektüre für alle, die begreifen wollen, weshalb die Medien da stehen, wo sie sich heute befinden. (...) Dass Lüönd befugt ist auszuteilen, beweist er mit brillanten Porträts und Reportagen.» Klartext


Blendend informiert, rücksichtslos offen und mit sarkastischem Witz: Seit Jahren schreibt Karl Lüönd mit dem Erfahrungshintergrund von vier Jahrzehnten als Reporter, Chefredaktor und Verleger Schweizer Mediengeschichte(n). Zugleich führt er mit seiner Arbeit vor, was der wirkliche Ausweg aus der Krise der Publizistik wäre: Unabhängigkeit, Sachkenntnis, Zusammenhangswissen, Verständlichkeit, Leselust. In einem Wort: journalistische Qualität.

In diesem Buch wechseln indiskrete Porträts von Beat Curti bis Jürg Marquard ab mit historischen Essays von bleibendem Wert, zum Beispiel über die wahre Entstehungsgeschichte der Gratis-Tageszeitungen. Starreporter Constantin Seibt stellt den mehrfach preisgekrönten Autor in einem Porträt-Nachwort vor, und Nico karikiert die Verhältnisse bis zur Kenntlichkeit.



Vorwort

Die Medienindustrie in der wohlverdienten Krise – Mitleid ist fehl am Platz

Wir haben diese Krise redlich verdient. Sie ist die Folge jahrzehntelang geduldeter Bequemlichkeit und Arroganz. Arrogance means to be proud of ignorance.

Die Schweizer Medienindustrie hat den Wettbewerb nie wirklich trainiert, sondern ihn eher als störend und unanständig empfunden. Wirklichen Erfolg gehabt haben die paar lokalen Platzhirsche und vor allem die Aussenseiter, die sich um die kartellähnlichen Regeln der Branche foutiert haben: der Tages-Anzeiger (in seinen Gründungszeiten), Ringier, Rasworscheg (Beobachter). Die Platzhirsche haben ihre Lufthoheit über den lokalen Räumen bewirtschaftet und dabei die globalen Entwicklungen verschlafen. Und alle miteinander haben wir vor lauter Beharren die Chancen der Digitalisierung den anderen überlassen. Google, Amazone, Ebay, Twitter, Facebook, aber auch Zattoo, Doodle, Homegate, Search, Winner...

Wer hät’s erfunde? Lauter Aussenseiter und Branchenfremde, nur nicht die Medienindustriellen, früher Verleger genannt. Erfunden haben die eigentlich herzlich wenig bis gar nichts. Stattdessen haben sie ihre angestammten Reviere verteidigt und die Tradition fortgeführt. Das war ihre Aufgabe, gewiss. Aber vor lauter «Dienst nach Vorschrift» haben sie es versäumt, als Internet-Provider rechtzeitig die Stellwerke des massgebenden neuen Mediensystems zu besetzen. Dankbar haben sich die gierigen Telekoms diesen Brocken geschnappt. Die meisten Verleger haben die digitale Revolution an sich vorbeiziehen lassen und ihre Exportchancen vergeben. Dafür haben sie die skandalöse Marktverfälschung durch die SRG akzeptiert, indem sie sich ihre Radio- und Fernsehsender per Gebührensplitting mit einem besseren Trinkgeld subventionieren lassen und sich dem «Leistungsauftrag» der frechen Bakom-Bürokratie unterwerfen.

Tradition pflegen heisst nicht die Asche verwalten, sondern die Flamme bewahren.

Eine gewisse Marktblindheit geht einher mit der souveränen Verachtung der geistigen Leistung, welche die Grundlage der publizistischen Industrie bildet. Beziehungsweise bilden sollte. Im Zweifel (und in wirtschaftlicher Bedrängnis sowieso) ist es aber der Mehrheit der Schweizer Verleger lieber, hochmoderne Druckereien zu besitzen als in Inhalte zu investieren, auf die sie stolz sein können. Die Verachtung, die manche dieser Medienunternehmer den journalistischen Leistungsträgern entgegenbringen, manifestiert sich etwa dann, wenn in den Betrieben aus wirtschaftlichen Gründen Stellen abgebaut werden müssen. Die Tamedia, deren publizistisches Flaggschiff im redaktionellen Teil seit vielen Jahren aus linksliberaler Warte der ganzen Gesellschaft Sozialkompetenz und Moral predigt, hat im Juni 2009 etwa achtzig Journalistinnen und Journalisten, davon 24, die dem Pensionsalter nahe sind, auf die Strasse gestellt. Für Sozialpläne bzw. Frühpensionierungen wurden in einem ersten Verhandlungsschritt gerade mal 50 000 Franken pro Vollstelle bewilligt. Damit und mit den angesparten Pensionskassenguthaben ergibt sich zum Beispiel für einen 58jährigen Kollegen mit 22 Dienstjahren eine monatliche Rente von 2800 Franken.

Die dem Einschnitt vorangegangene Investitionsentscheidung – die Regionalisierung des «Tages-Anzeigers» – hatte eigenen Angaben zufolge jährlich wiederkehrend nicht viel weniger als zehn Millionen Franken erfordert. Als man zurückrudern musste, sollte die einmalige Ausgabe eines Drittels dieses Betrages ausreichen, um die sozialen Folgeschäden des vorangegangenen Fehlentscheids zu lindern. Für die ertragsschwache «Thurgauer Zeitung» und deren Verlag wurde dagegen gemäss unwidersprochenen Berichten die horrende Summe von rund 55 Millionen Franken bezahlt, für Espace Media und Edipresse je ein Mehrfaches. Der Kontrast zum Investitionsverhalten des Unternehmens, wenn es um die Eroberung fremden Terrains geht, fällt auf. Die Spätfolgen sind verheerend. Aus den Redaktionen wandern intelligente Leistungsträger in grosser Zahl ab. Noch nie waren windstille Nischen im Arbeitsmarkt so gesucht wie heute. Die Branche der «spin doctors» und anderer interessenvertretender Informationsspezialisten expandiert, während die Redaktionen, die deren Output kritisch filtern sollten, aus Spargründen eingedampft werden. Die Schere ist weit offen.

Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt, sie noch einmal zu erleben.

Die Schweizer Medienindustrie erlebt derzeit, was Textil- und Uhrenindustrie schon hinter sich haben: Globale Strukturveränderungen überlappen sich mit dem Wandel der Konsumgewohnheiten und damit des Kundenverhaltens. Alte Angebotsformen versagen, auf einmal brechen bewährte Geschäftsmodelle weg. Und selbstverständlich passiert das alles ausgerechnet in einer wirtschaftlichen Krisenzeit, was die traditionell frühzyklische und extrem konjunkturanfällige Medienbranche besonders hart trifft. In diesem Buch sind publizistische Beiträge der vergangenen zehn Jahre versammelt, die aus der jeweiligen medienpolitischen und –wirtschaftlichen Aktualität heraus entstanden sind. In diesen Texten wird versucht, mit der nötigen Selbstkritik und Distanz zum eigenen Metier Schwachstellen, aber auch Chancen und Auswege aufzuzeigen.

Ohne die Unterstützung vieler Kolleginnen, Kollegen und Gewährsleute aus der Branche und ohne den Rat guter Freundinnen und Freunde wäre diese Sammlung nicht möglich gewesen. Ich danke allen, die dazu beigetragen haben, sehr herzlich, ohne einzelne Namen zu nennen; ich möchte niemand in Verlegenheit bringen und damit zugleich klarstellen, dass ich allein für die beschriebenen Inhalte und Einschätzungen verantwortlich bin. Bekanntlich ist hier zu Lande die Meinungsfreiheit gewährleistet, vorausgesetzt, man ist in der Lage, die wirtschaftlichen Folgen zu tragen.

Karl Lüönd, Januar 2010


«Kari Lüönd jetzt zum Helden der Schweizer Medienlandschaft und speziell der Schweizer Journalisten zu machen, beweist nicht mehr, als die Schwäche dieser Berufsgruppe. Der hoch begabte Lokaljournalist, später Chefredaktor und Einflüsterer vieler Verleger hat im Zürcher Rüegger Verlag, der zur Unternehmensgruppe des amtierenden Verlegerpräsidenten Hanspeter Lebrument gehört, das Buch “Die Macht und die Ehrlichkeit” publiziert. Darin präsentiert er seine “Kolumnen aus dem Medienzirkus”, die tiefer als alles andere Einblick geben in die Schweizer Medienlandschaft. Kari Lüönds geistige Unabhängigkeit, die er wohl immer hatte, aber nicht immer zeigte, zeigt sich auch an den Nico-Zeichungen, welche das 220 Seiten-Buch aufwerten. Nico, nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse, hat immer noch die eleganteste Zeichenfeder von allen, aber die Schweizer Verleger vermögen es nicht mehr, ihm ein angemessenes Auskommen zu sichern. Qualität zeigt sich am Ertragen des Widerspruchs, weshalb Zürichs jüngster Starjournalist Constantin Seibt, dessen quietsch vergnügte Beiträge sonst den “Tagesanzeiger” beleben, ein Portrait des heute im Thurgau lebenden Stoikers verfasst hat.

Kari Lüönd hat ein Buch vorgelegt, das von allen gelesen werden muss, die mit Schweizer Medien zu tun haben. Bequemlichkeit und Arroganz betrachtet er darin als Grundfehler der Verleger und ihrer Spitzenmanager, weshalb sie auch alle neuen Trends verpasst hätten. Als Autor zahlreicher “corporate books”, die kaum einer besser texten und gestalten kann, denn er bleibt so nahe an der Wirklichkeit, wie es möglich und gestattet ist, beschäftigt er sich derart detailliert mit der Medienindustrie, dass ich ihn am Kapitel über die “Neue Zürcher Zeitung” messe, weil dieser Verlag unter Führung von VR-Präsident Conny Meyer sich in einer anhaltenden Schräglage wie Kreativkrise befindet, die viel über den Horizont des Zürcher Bürgertums aussagt. Lüönd schreibt von “mindestens fünf NZZ’s”, was heute kaum mehr zutrifft. Es gibt eine NZZ, die als Verlautbarungsorgan des Bundesrates und der Konzerne der global tätigen A-Wirtschaft fungiert, dazu einen wenig schlagkräftigen Lokaltal. Wirklich wertvoll ist das Feuilleton der NZZ, das unter Leitung von Martin Meyer, in dem sich Eleganz mit Verzweiflung paaren, europäische Klasse hat.

Kari Lüönd ist vor allem eines nicht, was Constantin Seibt und Sylvia Egli von Matt, die Direktorin des MAZ, vorbrachten. Er ist kein “Wildschwein”. Er ist ein höchst sensibler Autor, der viele Verletzungen erlitten hat, der Menschen diente, die seiner nicht wirklich wert waren. Kari Lüönd selber hat sich gut gehalten, hat auch zwei wunderbare Töchter. Er ist einer der liebenswertesten Stoiker, die ich kenne.» Klaus Stöhlker








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